{"id":666,"date":"2015-06-06T14:42:56","date_gmt":"2015-06-06T12:42:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rm-communication.de\/home\/?p=666"},"modified":"2017-05-07T16:49:01","modified_gmt":"2017-05-07T14:49:01","slug":"redaktions-roboter-das-schreiben-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rm-communication.de\/home\/2015\/06\/06\/redaktions-roboter-das-schreiben-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Redaktions-Roboter &#8211; das Schreiben der Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>In einer der j\u00fcngsten Ausgaben der Wochenzeitung &#8222;Die Zeit&#8220; (Ausgabe 22 vom 28. Mai 2015, Willkommen, Kollege!) steht ein bemerkenswerter Artikel zum Thema, wie in Zukunft die Redaktion von Zeitschriften, Zeitungen, usw. von Robotern \u00fcbernommen werden k\u00f6nnte. Redakteurinnen und Redakteure k\u00f6nnten also \u00fcberfl\u00fcssig werden. Und tats\u00e4chlich ist da etwas dran &#8211; in Teilen zumindest.<\/p>\n<p>Doch wer soll da wen f\u00fcr was ersetzen? Ein Roboter wird nur dort eingesetzt, wo Rationalisierungen kommerziellen Erfolg versprechen. In der Automobilindustrie ist das seit Jahrzehnten \u00fcblich &#8211; und anderswo auch. Einen Redaktions-Roboter einzusetzen macht nur dann Sinn, wenn standardisierte Informationen schnell und in Mengen publiziert werden sollen und m\u00fcssen und wo eine Textautomatisierung m\u00f6glich ist. Das ist dann der Fall, wenn auf statistische Daten zur\u00fcckgegriffen werden kann, deren Deutung sich in immer wiederkehrenden Mustern abspielt. Im Sport beispielsweise sind die Daten zu Fu\u00dfballspielen allzeit bekannt: Spielzeit, Tore, Auswechslungen, Ergebnisse, usw.: Alles wird erfasst und kann gespeichert werden. Selbst die Kommentare zu den Ergebnissen wiederholen sich st\u00e4ndig. &#8222;Wir m\u00fcssen offensiver spielen, tiefer stehen, &#8230;&#8220; und dergleichen. In einen sinnvollen Textalgorithmus gepackt, k\u00f6nnen brauchbare allgemein gehaltene Texte konstruiert werden, die dem Leser, der das Spiel nicht gesehen hat, einen ersten informativen \u00dcberblick liefert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Das Internet der Langeweile<\/strong><\/p>\n<p>Im Internet gibt es \u00e4hnliche Muster. Suchmaschinen sind darauf getrimmt, t\u00e4glich alle weltweit vorhandenen und angemeldeten Webseiten zu durchforsten und herauszufinden, ob diese f\u00fcr einen Besucher mit einem speziellen Suchbegriff attraktiv genug sind. Daraus ergibt sich eine bessere Position im Suchmaschinen-Ranking. Eine bessere Platzierung bedeutet letztlich auch kommerziellen Erfolg. Das f\u00fchrt dazu, dass Internet-Redakteure am besten t\u00e4glich neue Texte mit interessanten Suchbegriffen auf ihre Portale stellen, damit die Suchmaschinen auch wahrnehmen, dass sich dort etwas bewegt. (Ja, die Redaktionen schreiben nicht nur f\u00fcr die Leserinnen und Leser!) Das f\u00fchrt zu einem unweigerlichen Dilemma. Gute Redaktion ben\u00f6tigt Zeit und Kompetenz. Nicht jede Redakteurin und nicht jeder Redakteur kann zu allen Themen t\u00e4glich Neues gehaltvoll schreiben. Gut zu schreiben bedeutet auch Zeit f\u00fcr Recherche, Formulierungen, usw. Also wird auf Kurzmeldungen oder News zur\u00fcckgegriffen, die schnell geschrieben und mit Suchbegriffen versehen sind. Pflicht erf\u00fcllt! Da es allen Informationsportalen so oder so \u00e4hnlich geht, ist das Netz voller \u00e4hnlicher kurzer Meldungen mit gleichen Suchbegriffen. Also l\u00e4sst sich hier wieder automatisieren. Textalgorithmen identifizieren die zusammenh\u00e4ngenden Begriffe, vergleichen &#8211; und schreiben neue Nachrichten. Das geht viel schneller und ben\u00f6tigt keine Redaktion. Nur wird damit das Internet in diesem Segment inflation\u00e4r und die Nachrichten an sich werden langweilig.<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma der Verlage<\/strong><\/p>\n<p>Larry Page, der Erfinder von Google, und seine Kumpanen haben es als einzige begriffen, wie man aus einem kostenlosen Informationsangebot Milliarden verdienen kann. Viele Verlage haben es nicht, sind mitgezogen und ruinierten sich bzw. haben sich auffallend nahe an den Abgrund gebracht. Erst waren die Online-Ausgaben der Magazine, Zeitschriften und Zeitungen der verl\u00e4ngerte Arm der Print-Ausgaben. Mittlerweile sind sie eigenst\u00e4ndig und verlangen sogar eigene Redaktionen, denn die Internetschreibe ist allein schon aus Gr\u00fcnden der Suchmaschinenoptimierung eine andere. Nur: Refinanzieren tun sich die Online-Auftritte nicht &#8211; trotz wachsender Anstrengungen, Bezahlmodelle f\u00fcr Leser einzuf\u00fchren. Aber das ist (noch) schwierig zu vermitteln. Warum soll man f\u00fcr etwas bezahlen, was man bis dato umsonst bekommen hat?<\/p>\n<p>Hinzu kommen sinkende Anzeigenerl\u00f6se. Viele Werbungtreibenden sehen ihre Zielgruppen durch die Printmedien nicht mehr erreicht und investieren in den eigenen Internetauftritt, in Websites, Blogs und Shops. Das ist augenscheinlich g\u00fcnstiger als Anzeigenschaltungen in Printmedien. Dass diese Internetauftritte auch mit Content gef\u00fcttert werden m\u00fcssen, wird kommerziell erstmal nicht ber\u00fccksichtigt. Die Folge ist, dass Verlage sich den Verh\u00e4ltnissen anpassen m\u00fcssen. Gespart wird wie so oft in den Redaktionen. Die Redaktionen haben immer weniger Personal, m\u00fcssen mitunter doppelt schreiben (f\u00fcr das Internet mit) und dass mit extremer Schlagzahl. Keine guten Aussichten f\u00fcr Menschen und gute Gr\u00fcnde f\u00fcr Maschinen, die automatisierte Texte erstellen &#8211; auf Kosten der Beliebigkeit.<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma der Online-Portale<\/strong><\/p>\n<p>Im Internet ist alles umsonst. Wer das glaubt, irrt, denn alles hat seinen Preis &#8211; auch das Internet. Tats\u00e4chlich sind die Produktionskosten einer Webseite im Vergleich zu der Herstellung eines gedruckten Mediums ungleich h\u00f6her. Durch die niedrige Eintrittsbarriere ist es nun m\u00f6glich, dass jede und jeder, der etwas zu einem Thema zu sagen glaubt, eine Internetseite aufbaut oder einen Blog einrichtet. Damit sind dem Nichtwissen, Halbwissen und Wissen gem\u00e4\u00df handels\u00fcblicher statistischer Verteilungsgesetze T\u00fcren und Tore ge\u00f6ffnet, was zu einem gigantischen Informationsbrei im Internet f\u00fchrt, indem es &#8211; trotz Suchmaschinenoptimierung &#8211; zunehmend schwerer f\u00e4llt, die Fleischst\u00fccke guter Information zu finden.<\/p>\n<p>Auf einmal sehen sich die Internetseiten-Betreiber in der Rolle der Redakteure. Auch sie m\u00fcssen guten Content schnell liefern. Und erst jetzt erkennen sie, dass auch das Internet seinen Preis hat. Wer bei Google und Co. gelistet werden will, muss liefern: gut und schnell. Und jetzt trennt sich so langsam die Spreu vom Weizen. Denn so manche selbst ernannten Fachleute f\u00fcllen die selbsterschaffenen R\u00e4ume inhaltlich nicht aus und sind schnell \u00fcberfordert. Es bleibt ihnen nicht viel zu sagen, wenn sie die R\u00e4ume der Peinlichkeiten umgehen wollen. Allenthalben st\u00fcrzen sie sich noch in die Ver\u00f6ffentlichung der bereits erw\u00e4hnten Kurznachrichten oder News. Oder sie schreiben einfach voneinander\u00a0 ab. Das ohnehin bestehende Problem des Internets wird damit um ein Kapitel reicher. Auch mit der Best\u00e4ndigkeit haben die neuen Betreiber so ihre Probleme. Jeden Tag neue Informationen f\u00fcr die Portale zu liefern erfordert Zeit &#8211; meistens Freizeit, weil im richtigen Leben der Lebensunterhalt woanders erwirtschaftet werden muss. Im Internet ist ja schlie\u00dflich alles umsonst, was bedauerlicherweise zu keinen Einnahmen f\u00fchrt. Irgendwann verschwindet die Lust, die Freizeit f\u00fcr das Internet zu opfern. Das verst\u00e4rkt sich, wenn die Erfolge (Response, Ranking) ausbleiben. Viele seit Jahren verwaiste Websites k\u00f6nnen als Beleg angesehen werden.<\/p>\n<p>Hier helfen auch Redaktions-Roboter kaum weiter, denn auch sie m\u00fcssten erstmal erworben werden und mit Leben ausgef\u00fcllt werden, nur um das zu erreichen, was ohnehin schon vorhanden ist.<\/p>\n<p>Und was ist mit den professionellen Informations-Portalen? Sie halten naturgem\u00e4\u00df von Textmaschinen nichts, schlie\u00dflich geht es ja darum, die eigene Position zu st\u00e4rken. Doch der anf\u00e4nglichen Euphorie, den Verlagen von Printmedien endlich Paroli bieten zu k\u00f6nnen ohne den kostenintensiven Verlagsunterbau mitschleppen zu m\u00fcssen, ist N\u00fcchternheit gefolgt. Denn der Hype mitzuschwimmen, t\u00e4glich neue Innformationen ausformuliert anzubieten, macht versierten Redakteuren und Textern zwar Spa\u00df, doch wenn damit kein Geld zu verdienen ist, h\u00f6rt der Spa\u00df abrupt auf. Diese Erkenntnis ist nicht wirklich \u00fcberraschend, zeigt aber auf, dass sich etwas \u00e4ndern muss in der Kommunikationslandschaft.<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma der Redaktionen<\/strong><\/p>\n<p>Redaktionsprofis &#8211; ob in Verlagen oder Agenturen &#8211; werden es kaum hinnehmen, sich von Text-Robotern ersetzen zu lassen. Das brauchen sie auch nicht, denn sie sind erfahren, inhaltlich kompetent und vernetzt. Sie k\u00f6nnen Situationen aufgrund von Fakten, Erfahrungen und Erkenntnissen so kommentieren, beschreiben und analysieren, wie es die Roboter nicht k\u00f6nnen werden. Denn diese sind immer abh\u00e4ngig von ihren Programmierern und den zugewiesenen Fakten, die ihnen redaktionelles Leben einhauchen.<\/p>\n<p>Dennoch m\u00fcssen sich auch die Redaktionsprofis weiterentwickeln und d\u00fcrfen sich nicht auf ihrem Fachwissen ausruhen. Denn das Internet besteht auch aus kompetenten Mitbewerbern, wenngleich auch in geringerer Anzahl als die M\u00f6chtegern-Gr\u00f6\u00dfen, aber immerhin gro\u00df genug, um den eigenen Rang streitig zu machen. Und sie m\u00fcssen zusehen, dass sie im Internet mitmischen, Beitr\u00e4ge schreiben f\u00fcr Online und Print, Bloggen und Kommentieren, sich in sozialen Netzwerken engagieren, usf.<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma der Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Um kommerziell erfolgreich in den M\u00e4rkten agieren zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen Unternehmen einerseits ihre Produkte verkaufen und andererseits Kosten sparen. Im kommunikativen Sektor stehen beide Faktoren aber im starken Widerspruch. Die Produkte lassen sich am besten verkaufen, wenn sie optimal in den jeweiligen M\u00e4rkten kommuniziert werden. Das geht aber nicht mit beliebigen Texten, von Maschinen generiert. Allenthalben dienen die zur Verbreitung der Information. Eine gute redaktionelle \u00dcberarbeitung der Informationen ist bei der Kommunikation w\u00fcnschenswert. Nur wird das immer schwieriger, weil sich Verlage und Profi-Portale immer weniger gute Redakteure leisten k\u00f6nnen. Denn die Unternehmen wollen ja nicht zahlen. Weder f\u00fcr Redaktion &#8211; die soll ja neutral sein -, noch f\u00fcr Anzeigen in Printmedien &#8211; die verlieren anscheinend Leser &#8211; uns schon gar nicht Online &#8211; denn da ist ohnehin alles umsonst. Und Bannerwerbung kann abgeschaltet werden. Im Grunde genommen s\u00e4gen die Unternehmen damit den Ast ab, auf dem sie sitzen. Auf lange Sicht l\u00e4sst sich so nicht gut kommunizieren.<\/p>\n<p>Da helfen auch Agenturen nicht sonderlich weiter. Leiden die Verlage, leiden die Agenturen. Pleiten, Zusammenschl\u00fcsse und immer wieder Neuerfindungen sind die Folgen. Da kann man so viel erfinden wie man will, wenn es kaum noch Abnehmer gibt, kann nicht kommuniziert werden. Im Moment verwischt noch ein \u00dcberangebot an Informations-, News- und Nachrichtenportalen die Netzwirklichkeit, aber wenn nichts verdient wird, werden viele dieser Portale austrocknen.<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma der Redaktions-Roboter<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nnen nun Redaktions-Roboter helfen? Bei dieser Gemengelage ist das klar zu verneinen. Sie sind von ihrem Herrn und Meister abh\u00e4ngig, der sie mit Algorithmen und Fakten f\u00fcttert. Ist der Informationsk\u00f6rper klar strukturiert, k\u00f6nnen aus den Fakten Texte generiert werden, die brauchbar sind. Besonders wenn eine kleine Redaktion viele Standard-Nachrichten ausgeben muss, k\u00f6nnen sie hilfreich sein. Alles was dar\u00fcber hinausgeht, wenn es um die Einordnung von Fakten in einen situativen, zeitlichen, gesellschaftlichen Kontext geht oder wenn Ereignisse aus emotionaler Sicht betrachtet werden m\u00fcssen, kommt man mit Robotern nicht weiter. Denn dazu muss man auch so formulieren k\u00f6nnen, dass die Leserinnen und Leser\u00a0 erkennen, was zwischen den Zeilen steht. Und dieser Segen ist den Maschinen (noch) nicht gegeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Copyright: RM-Communication)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>In einer der j\u00fcngsten Ausgaben der Wochenzeitung &#8222;Die Zeit&#8220; (Ausgabe 22 vom 28. 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